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Archiv 2011

Ein Godesberger und Wachtberger Gottesbeweis

Grußwort des Dechanten: 150 Jahren evangelisch in Godesberg und Wachtberg

Sehr geehrte evangelische Mitchristen in Bad Godesberg und Wachtberg,

als Dechant des Dekanates Bad Godesberg habe ich heute Abend die Ehre, Ihnen zu diesem festlichen Anlass die Glückwünsche der Katholischen Kirche überbringen zu dürfen. Wir gratulieren den evangelischen Gemeinden Bad Godesbergs und Wachtbergs zu ihrem 150jährigen Bestehen. Von ganzem Herzen wünschen wir Ihnen Gottes Segen für die Festlichkeiten zu ihrem Jubiläum und für die vor Ihnen liegende Zukunft.

Sie blicken mit ihrer 150jährigen Geschichte auf eine bewegte Zeit zurück. Es hat viele Herausforderungen gegeben.Der Deutsch-Französische Krieg, die radikalen Umbrüche des Industriezeitalters mit ihren sozialen Härten und Herausforderungen, die zwei Weltkriege und der Schrecken nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, Not und Wiederaufbau nach dem Krieg. Die Festigung der Demokratie und die 68iger Jahre mit ihren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Ordnung. Die Nähe zu den politischen Entscheidungen der ersten 40 Jahre der neuen Republik. Der Umbruch nach dem Wegzug der Regierung und des Parlaments.

Eine Geschichte mit bewegenden Höhepunkten und großen Schatten, verknüpft mit endlosen einzelnen Schicksalen der Menschen, die sie erlebt, glücklich genossen oder schmerzlich durchlitten haben.

Unbeirrt hat sich die evangelische Kirche in Bad Godesberg und Wachtberg diesem Lauf der Geschichte gestellt. Sie ist dabei gewachsen und hat unseren Lebensraum stark geprägt. An Festtagen wie diesen feiert man das freudig und vergisst gerne, wie viel Mühe das auch gekostet hat und bis auf den heutigen Tag fordert.

Zuerst möchte ich deshalb an die denken und denen danken, die in diesen 150 Jahren den Mut hatten, aus der Sendung des GlaubensVerantwortung für ihre Kirche zu tragen. Ich danke den unendlich vielen Gemeindegliedern,die in diesem Zeitraum mit ihrem Gottvertrauen, ihrem Lebensvorbild, ihrer Kraft und ihrer Liebe, die mit ihren Gebeten und auch ihrem Schweiß dafür Sorge getragen haben, dass ihre Kirche die Herausforderungen bestanden hat.

Ich denke dabei besonders an die vielen Generationen von Eltern und Großeltern, die nicht aufgehört haben, ihre Kinder zur Taufe zu tragen und ihnen den Weg in den Glauben zu erschließen. Wie viel Einsatz bedurfte das, wie viel Kummer auch hat das nicht selten bereitet, wenn so manches persönliche Schicksal und die Veränderungen der Gesellschaft die Vermittlung des Glaubens an einen guten Gott erschweren.

Ich stehe hier voller Respekt und Anerkennung, denn die evangelischen Christen in Bad Godesberg und Wachtberg haben diese Zeit nicht nur ausgehalten, sie haben sie unentwegt mit gestaltet. Mit einer unglaublichen Tatkraft und Ideenvielfalt wurden neue Zellen gemeindlichen Lebens gegründet und wie selbstverständlich dort soziale Verantwortung übernommen, wo es nötig war. Allein das diakonische Netzwerk, das hier vor Ort in diesen 150 Jahren entstanden ist, sucht im Rheinland seines Gleichen: Krankenhaus und Hospiz, Seniorenstift und Mehrgenerationenhaus, die Kindergärten und das Haus der Familie, das Kinderheim und wohltätige Stiftungen.

Ihre 150jährige Geschichte ist, das spürt man, wenn man hier lebt, mit dem Herzblut ihrer Gemeindeglieder geschrieben und von unendlich vielen Gebeten und dem treuen Glauben so vieler getragen. Das ist der Felsen, auf den die evangelische Kirche Bad Godesbergs und Wachtbergs gebaut ist.

Ihre 150 Jahre sind, so möchte ich sagen,  ein Godesberger und Wachtberger Gottesbeweis. „Ich bin bei Euch alle Tage Eures Lebens!“ Diese großartigen Worte unseres Herrn haben sich an ihrer Geschichte bewiesen. Man muss blind sein, wenn man das nicht sehen will. Sie haben also allen Grund, heute glücklich und dankbar zu sein.

Der dankbare Rückblick darf sie ermutigen, ihren Weg fortzusetzen. Wie die vorherigen Generationen stehen auch wir Umbrüchen und der Frage gegenüber, wie sich das christliche Leben unter den Voraussetzungen einer multikulturellen und individualistischen Gesellschaft weiterentwickeln wird. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass das frohe Innehalten dieser Tage Ihr Gottvertrauen festige. Der Geist Gottes ist uns zugesagt! Er ist lebendig, trägt und bewegt, wann immer wir auf ihn vertrauen.

Eine Kirche, in der geglaubt, gebetet und geliebt wird; eine Kirche, in der man mit Herzblut Geschichte schreibt; eine Kirche, die sich als alternativer Lebensraum im Geiste Jesu versteht; eine Kirche, in der man sich bemüht, als Schwestern und Brüder zu leben; eine Kirche, in der also Christus lebendig sein kann, einer solchen Kirche gehört die Zukunft.

Die evangelischen Christen in Godesberg und Wachtberg müssen in diesem Sinne nur die 150 Jahre ihrer Geschichte fortschreiben. Wir, ihre katholischen Schwestern und Brüder, haben keinen Zweifel daran, dass ihnen das gelingen wird. Wir sagen Gott Dank dafür, dass es Sie gibt. Wir beten in diesen Tagen in unseren Gottesdiensten dafür, dass sie auch weiterhin unter seinem Schutz stehen. Wir freuen uns darüber, mit ihnen gemeinsam in die Zukunft zu gehen, und vertrauen darauf, dass wir es in geschwisterlicher Liebe tun werden.

„Herr, unser Gott, Jesus Christus. Erfülle die evangelischen Gemeinden Godesbergs und Wachtbergs mit Deinem Geist. Beschütze ihre Glieder, junge und alte. Stärke ihren Glauben und festige sie in der Liebe. Trage sie mit Deinen Händen und bewege sie mit Deinen Worten. Sei Du ihr Halt und ihre Hoffnung. Heute und in Ewigkeit. Amen.“