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Archiv 2006

"Euer Bischof geht gestärkt nach Hause,"



100 Jahre Herz Jesu Kirche und Klostereinweihung Herz Jesu am 18. September 2006 durch Kardinal Meisner

"Euer Bischof geht gestärkt nach Hause," mit diesen Worten beschloss der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, das feierliche Pontifikalamt anlässlich des 100. Weihetages der Herz Jesu Kirche. Bei seiner Ankunft an der Pfarrgrenze wurde er bereits von 100 Messdienern auf ihren Fahrrädern erwartet. Der verwunderte Bischof hatte zunächst angenommen die vielen Kinder seien Telnehmer eines Kinderfestes. Als er bemerkte, dass die bunte Truppe ihn erwartete, verließ er spontan das Auto und rief den Kindern zu: "Dann gebt mal Gas!" Die Messdiener eskortierten den Kardinal auf ihren mit 100 bunten Ballons geschmückten Fahrrädern von der Hindenburgallee bis zur Kirche.

Dort angekommen begrüßten ihn viele Gemeindemitglieder auf der Straße. Ein Bläserensemble ließ Fanfarenmusik erklingen. Nachdem der Bischof und die vielen Messdiener ihre Gewänder angelegt hatten, setzte sich eine schier unendliche Prozession in Bewegung.  

Das Kreuz ging von Leuchtern und Weihrauch gerahmt voraus. Es folgten die Abordnungen von Schützenbruderschaften und Frauengemeinschaften mit ihren Fahnen. Dann sah man mehr als fünfzig Ordensfrauen und die 100 Messdiener. Schließlich kam die Gruppe mit den Seminaristen aus der Gemeinde, mit den acht Konzelebranten und dem Kardinal.

In der Kirche ertönte die Orgel, das Kirchenschiff war mit 100 Kerzen und der Altarraum mit einer Fülle von Blumen und der restaurierten Herz Jesu Figur geschmückt. Die Kirche war stehend mit 800 Gläubigen gefüllt. Ein überwältigender Eindruck, der vom gemeinsam gesungenen Lied "Ein Haus voll Glorie schauet" verstärkt wurde. Pfarre Dr. Wolfgang Picken begrüßte alle Anwesenden zur Feier des 100. Jahrestages der Kirchweihe von Herz Jesu und der Gründung des neuen Herz Jesu Klosters. "Für uns ist die Gründung des Herz Jesu Klosters wie ein Geburtstagsgeschenk." Ein besonderer Gruß galt deshalb den Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis Mariens, die das Kloster besiedelt haben.
Schließlich fand der Pfarrer herzliche Worte des Willkommens für den Kardinal: "Dieser Tag aber erhält seinen strahlenden Glanz durch die Anwesenheit unseres Erzbischofs. Ich heiße Sie, lieber Herr Kardinal, und mit Ihnen die Konzelebranten von ganzem Herzen willkommen. Sie sind nicht Gast in Herz Jesu, sondern der eigentliche Hausherr und Pastor. Dass Sie die Mühe auf sich genommen haben, heute in das Rheinviertel zu kommen, um in Ihrer Kirche und mit Ihrer Gemeinde St. Andreas und Evergislus vor Gott Dank zu sagen und das Heilige Opfer zu feiern, ehrt und freut uns sehr. Ich darf Sie nun bitten, uns in dieser Messfeier unter Ihrem Hirtenstab in die Mitte des Glaubens zu führen und uns die Liebe zu erschließen, die im Herzen Jesu für uns alle brennt."

Nach den Begrüßungsworten entfaltete sich eine hochfestliche Liturgie. Der Kirchenchor von St. Evergislus, die Kantorei der Christuskirche und der Instrumentalkreis von St. Evergislus ließen verschiedene Chöre aus dem Messias erklingen. Die große Messdienerschar zog zu verschiedenen Momenten der Liturgie mit brennenden Kerzen in den Kirchraum ein. Die Gemeinde sang mit Inbrunst die ausgewählten Lieder und die Indischen Schwestern überraschten mit einem in unnachahmlicher Weise gesungenen Choral aus Ihrer Heimat. Im Mittelpunkt standen die Predigt des Kardinals über die Bedeutung des Kirchraumes als Christusraum inmitten der Gemeinde und die eucharistische Mahlfeier.

Nachdem zur Danksagung langsam das elektrische Licht erlosch und die Gemeinde im Schein der mehr als 100 Kerzen das Herz Jesu Lied "Herz Jesu, Gottes Opferbrand" gesungen hatte, trat der Kölner Erzbischof - spürbar beeindruckt - noch einmal an das Mikrophon. "Ich habe in euren Augen die Begeisterung und die Freude des Glaubens gesehen, ich habe mit meinen Ohren in euren Liedern und Gesängen die Kraft eures Glaubens gehört, ich habe in den Augen der Messdiener die Lebendigkeit eurer Gemeinde erkannt. Euer Bischof geht nach diesen Eindrücken gestärkt nach Hause!" Nach diesen anerkennenden Worten erteile der Erzbischof seinen Segen und zog unter dem Gesang des Hallelujas von Händel mit den Messdiener, Schwestern, Seminaristen und Konzelebranten aus der Kirche auf den menschengefüllten Kirchplatz. Die Messdiener begleiteten die Schwestern und die Gemeinde in das nahe Klostergebäude, während die Priester sich mit dem Kardinal zum Ablegen ihrer Gewänder in die Sakristei zurückzogen.

Als Kardinal Meisner kurz darauf im Kloster ankam, traf er dort auf eine große Zahl von Gemeindemitgliedern, die mit ihm und den Schwestern die Einsegnung der Kapelle und der Klosterräumlichkeiten vornahm. Erneut erklang ein Lied der Indischen Schwestern und die Oberin des Konventes, Schwester Stancy, hieß den Erzbischof herzlich in den Räumen des Klosters willkommen. Sie dankte dem Kardinal, dem Pfarrer Dr. Picken, der Bürgerstiftung Rheinviertel und den vielen Helfern, die sich am Umbau und der Ausstattung des Klosters beteiligt hatten, für die geleistete Unterstützung und die freundliche Aufnahme.

Es folgten kurze Grußworte des stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden, Gottfried Röttländer und der Bezirksvorsteherin Annette Schwolen-Fluemann. Der Pfarrer der evangelischen Schwestergemeinde, Norbert Waschk, begrüßte die Schwestern im Namen der Erlöserkirchengemeinde und überreichte ihnen eine Chagallbibel. Alle Räume des Klosters waren anschließend für die Besucher zugänglich. Im Refektorium, dem ehemaligen Gemeindesaal, hatten die Schwestern mit Hilfe vieler Gemeindemitglieder ein großes Büfett bereitgestellt.

So klang der Abend der 100 Jahrfeier der Herz Jesu Kirche festlich im neugegründeten und sich strahlend präsentierenden Kloster Herz Jesu aus. Im heiteren Miteinander der vielen Menschen zeigten sich nicht nur die Lebendigkeit und Herzlichkeit einer junggebliebenen und bewegten Gemeinde, sondern auch eine bereits intensive und teils innige Verbindung zwischen vielen Gemeindemitgliedern und den Schwestern aus Indien.