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Archiv 2012

Projekt Inklusionskindergarten: Es tut sich was!

Umzug in Container - Neue Leitung des Sonja-Kill-Kindergartens von Heilig Kreuz

Die Vorbereitungen für den Bau des ersten Inklusionskindergartens in Bonn haben begonnen. „Es ist bisher das ambitionierteste Projekt der Bürgerstiftung Rheinviertel“, erklärt deren Kuratoriumsvorsitzender, Prof. Dr. Udo Di Fabio. Ab dem Kindergartenjahr 2013 finden in der dann dreigruppigen Kindertagesstätte 45 Kinder Platz, davon 12 Plätze für Kinder mit besonderem Förderbedarf.

„Wir wollen schon früh Eltern und Kindern erfahrbar machen, dass es normal und gut ist, verschieden zu sein“, erläutert Dechant Dr. Wolfgang Picken, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung. Mit dem Großprojekt reagiert die Stiftung auf eine große Notlage in der Stadt Bonn. Viele Kinder mit Behinderung finden keinen geeigneten Kindergartenplatz.

Rechtzeitig zum Beginn des Kindergartenbetriebs nach den Sommerferien ist der Sonja-Kill-Kindergarten von Heilig Kreuz in einen Containerbau auf dem Kirchplatz der Heilig Kreuz Kirche umgezogen. Für Oktober sind nun die Abrissarbeiten des alten Gebäudes vorgesehen. „Der Baukörper des zweigruppigen Kindergartens war für die Erweiterung um eine Gruppe und die Verwirklichung eines Inklusionskonzeptes ungeeignet“, verdeutlicht Sonja Velten, Kindergartenkoordinatorin im Rheinviertel. Der Kindergarten war 1972 gebaut worden. An seiner Stelle entsteht ein zweigeschossiger Bau mit einem umfangreichen Raumprogramm. „Hier wird viel Platz für die Kinder von einem halben Jahr bis sechs Jahren sein“, so Stiftungsvorstand Dr. Hanns-Christoph Eiden. Jede Kindergartengruppe wird über drei Räume verfügen. Hinzu kommen Therapie- und Funktionsräume, sowie ein Psychomotorikraum. „Wir werden selbstverständlich den psychomotorischen Schwerpunkt des Kindergartens fortführen und weiterentwickeln“, so Picken. Der Sonja-Kill-Kindergarten ist der erste zertifizierte Psychomotorik-Kindergarten in Bonn. „Besondere Aufmerksamkeit wird der Ausstattung des Kindergartens zukommen“, sagt Picken weiter, „denn wir verfolgen mit unseren Einrichtungen die Idee, den Raum als dritten Erzieher zu nutzen.“ Durch Podestlandschaften und Kreativräume werden die Kinder zusätzlich angeregt und gefördert. Für ihre Raumpädagogik, die sie schon in zwei Einrichtungen umgesetzt hat, findet die Bürgerstiftung Rheinviertel bereits bundesweite Beachtung. Sie dient als Fortbildungsstätte für verschiedene Trägerverbände.

Der Neubau der Einrichtung wird eine Bauzeit von einem knappen Jahr benötigen und inklusive der Ausstattung 1,5 Millionen Euro kosten. Gut ein Viertel der Bausumme entfällt dabei auf die Umsetzung des Inklusionsgedankens. „Die Maßnahme ist in dieser Weise nur mit Hilfe von Spenden zu finanzieren, weshalb wir die Bevölkerung um großzügige Unterstützung bitten. Helfen Sie, dass dieses Pilotprojekt ein Erfolg werden kann!“ appelliert Picken. „Es ist unsere Aufgabe, jedes Kind als eigene Person mit besonderen Fähigkeiten zu sehen und es in seinen Entwicklungsschritten zu stärken“, unterstreicht Di Fabio.

„Vielfalt leben“, heißt der neue Leitsatz des Sonja-Kill-Kindergartens von Heilig Kreuz. Es ist zugleich auch das Leitmotiv der neuen Leiterin der Einrichtung. Cordula Hombücher hat diese Aufgabe im August von Jutta Fern übernommen, die sich nach knapp vierzig Jahren in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat. Hombücher ist studierte Religionspädagogin und Pädagogin und hat viele Jahre Leitungserfahrung in Kindergärten. Zuletzt begleitete sie die Gründung eines Universitätskindergartens. Die dreifache Mutter verfügt auch über Erfahrungen im Bereich der Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen in Regel-Kindertageseinrichtungen. „Es ist eine wundervolle Aufgabe, dieses so visionäre und anspruchsvolle Projekt der Bürgerstiftung Rheinviertel begleiten zu dürfen. Ich denke, dass mit Hilfe des motivierten Erzieherinnenteams, der Unterstützung der Elternschaft und der Hilfe aus der Bevölkerung etwas entstehen wird, das anderenorts Nachahmung findet“, so Hombücher. Als neue Leiterin wird sie die Umbauarbeiten begleiten und mit Hilfe der Kindergartenkoordinatorin Velten die Weiterbildung der Erzieherinnen organisieren. Mit Beginn des Betriebs als Inklusionskindergarten wird das Mitarbeiterteam um weitere Erzieherinnen und Therapeuten ergänzt. „Nächstes Jahr im Sommer wird das Rheinviertel die Fertigstellung feiern können und mit Stolz auf das sehen, was viele Hände mit der Gabe zu geben haben wirklich werden lassen“, resümiert Di Fabio.